Nach einer Novelle von Hans Schweikart

„Ehe im Schatten“
(DEFA 1947/Regie:Kurt Maetzig)

Der historische Hintergrund
Berlin 1941: In der Nacht vom 6. auf den 7. November wählen Joachim Gottschalk, seine jüdische Frau Meta und ihr gemeinsamer Sohn Michael in auswegloser Situation den Freitod. Lange hatte der populäre Schau-
spieler (er wurde als „Clark Gable der UFA“ bezeich-
net) versucht, seine jüdische Frau und seinen Sohn zu schützen. Zuerst verzichtete er auf Filmrollen, um sich nicht zu exponieren und damit Aufmerksamkeit auf seine Ehe mit der Jüdin Meta Wolff zu lenken – in den Augen der Nazis eine “Rassenschande“. Als er 1938 dann doch zum ersten Mal in Wolfgang Liebeneiners Film „Du und Ich“ neben Brigitte Horney vor die Kamera tritt, erhofft er sich durch den Popularitätsgewinn mehr Sicherheit für seine Familie. Doch im Dritten Reich ist Sicherheit für eine sogenannte „Mischehe“ eine Illusion.
Vor der Öffentlichkeit wird der Selbstmord der Familie Gottschalk geheimgehalten. Die Beerdigung findet im kleinsten Rahmen statt.
Erst 1999 wurde das Grab der Familie auf dem Stahns-
dorfer Friedhof in die Liste der Ehrengräber Berlins auf-
genommen.

Der Film
Hans Schweikart, in jenen Kriegsjahren künstlerischer Leiter der Bavaria, zugleich ein ehemaliger Freund und Kollege des beliebten UFA-Darstellers, übertrug das Schicksal von Joachim und Meta Gottschalk in die No-
velle „Es wird schon nicht so schlimm“, die Kurt Maetzig in seinem Debütfilm EHE IM SCHATTEN (1947) für die Leinwand adaptierte.
EHE IM SCHATTEN lief 1947 in allen Sektoren Berlins gleichzeitig an und erreichte mehr als 10 Millionen (!) Zuschauer. Er war damit der erfolgreichste der sog. „Trümmerfilme“, in denen eine erste Auseinander-
setzung mit der Naziära auf der Leinwand stattfand.

Inhalt
Berlin 1933: Die junge Schauspielerin Elisabeth Mau-
rer feiert in Schillers "Kabale und Liebe" ihren ersten großen Bühnenerfolg. Aber nach Hitlers Machtergrei-
fung ändert sich für die jüdische Künstlerin alles. Ihr Freund, Dr. Herbert Blohm, ist mit Aussichten auf eine gloriose kulturbürokratische Karriere in die Partei eingetreten und sagt sich schließlich von ihr los. Auch am Theater bittet man sie, in nächster Zeit nicht mehr zu den Proben zu erscheinen. Einzig Schauspieler-
kollege Hans Wieland steht noch zu ihr. Er macht ihr den Hof, schließlich heiraten die beiden. Selbst zu diesem Zeitpunkt liebt Elisabeth eigentlich noch Blohm und Hans weiß darum. Als prominenter Schauspieler hofft Hans jedoch, durch die Eheschließung seine "nichtarische" Frau besser schützen zu können. Elisabeth und Hans emigrieren selbst dann nicht, als sich noch eine Chance dazu bietet, weil sie – wie der Titel der Novelle lautet – glauben, es werde so schlimm schon nicht werden.

Bei Ausbruch des Krieges wird Hans zunächst an die Front geschickt, während Elisabeth in dieser Zeit zu harter körperlicher Arbeit in einer Waffenfabrik heran-
gezogen wird. Nachdem sie eines Tages die Verhaf-
tung einer jüdischen Freundin miterlebt, kehrt sie von panischen Ängsten getrieben nach Hause zurück, wo Hans – eben aus dem Kriegsdienst entlassen – auf sie wartet.

Während Elisabeth ihr Schicksal duldet, macht Hans Karriere. Doch trotz Stillhalten hat Elisabeth keine Chance dem wachsenden Terror zu entgehen. Von Amtswegen wird Hans vor die Alternative gestellt: Scheidung von Elisabeth oder Auftrittsverbot.

Das Propagandaministerium will nicht auf seinen popu-
lären Schauspieler verzichten und hofiert ihn bis zu dem Punkt, an dem Hans, entgegen jeder Weisung, seine jüdische Frau zu einer Premiere mitnimmt. Der „ahnungslose“ Handkuss des Staatssekretärs Budmann wird zum Auslöser der rigorosen Hatz auf das Paar. Hans erhält Aufführungsverbot und für Elisabeth liegt ein Deportationsbefehl vor. Wieder wird Hans zur Scheidung gedrängt. Beide entscheiden sich letztlich für den ge-
meinsamen Freitod.

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